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Großreinemachen einer Kirchenfrau

Großreinemachen einer Kirchenfrau
Großreinemachen einer Kirchenfrau
© Pixabay
© Rudi Grabowski
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Großreinemachen einer Kirchenfrau

(zu Joh 2,13-25)         3. Fastensonntag

Die Schafe, die Ochsen und die Tauben
sind schon mal raus aus dem Tempel –
ein Kobold, der sich Gesichter und festgefügte Rollen
in diesen Wesen vorstellen kann…
Nun noch die Geldwechsler und Händler
mit ihren schnalzenden Fingern und ihrem feilschenden Geschrei.

Jetzt ist Ruhe – endlich.

Nur der Wutschrei aus Jesu Mund
halt noch in der leeren Kirche nach und wirbelt den letzten Staub auf.
Auf einmal ist es still…
sehr still in dieser leergefegten Kirche.

Und doch:
Hörst Du das Wispern…
das aufgeregte Scharren mit den Füßen…
das Schlagen lange zusammengezurrter Flügel?

Ein frischer Luftzug geht durch die Kirche.
Irgendjemand hat wohl ein Fenster zum Lüften geöffnet.
Im Sonnenlicht tanzen goldene Staubfunken.

Sie haben weibliche Gesichter.
Sie tanzen und lachen.
Sie kommen hinter Säulen hervor,
hinter denen sie lange versteckt
und in gut beschrifteten Kästchen bei Bedarf herausgeholt wurden.

Und nun kommen sie heraus – wie Tote aus den Gräbern.
Sie schütteln sich den Staub der Knechtschaft aus den Haaren.
Aus gebeugten Gestalten erheben sich aufrechte Frauen.
In ihren Augen die Glut der Freude über DEN,
DER sie in der Markthalle von Macht und Traditionssicherheit,
Missbrauch und Männerherrlichkeit
entdeckt und zum eigenen Leben erweckt hat.

Wir sind viele – sehr viele Frauen.
Und wir tragen den Schatz des Glaubens
wie Gold in unseren Herzen –
bereit zu teilen und immer neu zu empfangen… zu erneuern.                      

Auch uns genügt ein Buch,
um das Wort unseres Herrn lebendig werden zu lassen.
Auch uns genügt ein Tisch mit Brot und Wein,
um Unheiles in Heiles zu wandeln.                                                                   

Auch uns genügt das Kreuz,
unter dem wir stehen werden
und für das wir gehen…
und Zeugnis geben… und wagen… und aufrichten…
und befreien… und gestalten… und singen… und teilen miteinander –

auch mit den Männern (wenn sie denn unsere Sprache lernen möchten)

Als Jesus sich nach dem Eklat im Tempel umwandte, um zu gehen,
schaute ER uns noch einmal an –
lange und eindringlich –
und prägte uns Seine Sicht und Seine Liebe ins Herz.
Und hinterließ in jeder von uns
den feinen Goldstaub,
aus dem wir unsere Kraft beziehen,
um den Tempel wieder neu mit Leben zu füllen –
sicher anders –
aber eben mit Leben in Fülle,
das ER allen Menschen zugesagt hat.

Doris Nolden
6. März 2021

 

© PfarrbriefserviceKirchenmänner...in der zweiten Reihe auch vereinzelt Frauen zu sehen...
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